Wolfgang

Strom weg nach dem Unwetter: Diese Defekte sind typisch – und so grenzen Sie die Ursache ein

Wenn nach einem Gewitter plötzlich das Licht ausgeht oder einzelne Geräte nicht mehr starten, steckt oft mehr dahinter als eine „normale“ Sicherung. Überspannungen, ausgelöste Schutzschalter oder beschädigte Komponenten können sehr unterschiedlich wirken – von kurzen Aussetzern bis zu dauerhaften Ausfällen. Mit ein paar sicheren Prüfschritten lässt sich meist schnell klären, ob es ein Problem im Haus ist oder ob der Netzbetreiber zuständig ist.

Was bei Gewitter in der Elektrik passieren kann

Auch wenn der Blitz nicht direkt ins Gebäude einschlägt, entstehen bei Unwettern häufig Spannungsspitzen. Diese können über das Stromnetz, aber auch über Telefon-, Netzwerk- oder Antennenleitungen „mitreisen“. Zusätzlich kommt es bei Störungen im Verteilnetz zu kurzen Einbrüchen oder Unterbrechungen, die Schutzorgane ansprechen lassen. Typische Folgen sind:

  • Ausgelöste Leitungsschutzschalter (umgangssprachlich „Sicherungen“), oft in einzelnen Stromkreisen.
  • Ausgelöster FI/RCD (Fehlerstromschutzschalter), wenn Isolationsfehler oder Feuchtigkeit eine Rolle spielen.
  • Defekte Netzteile (Router, Fernseher, Ladegeräte) – manchmal ohne sichtbare Schäden.
  • Schäden an Überspannungsschutz (Ableiter/Steckdosenleisten), die danach „verbraucht“ sein können.
  • Störungen am Hausanschluss (z. B. lose Klemmen oder beschädigte Vorsicherungen) – hier ist Vorsicht besonders wichtig.

Sichere Ersteinschätzung: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Bevor Sie etwas prüfen: Wenn Sie Brandgeruch, Schmorspuren, knisternde Geräusche oder Wärme an Steckdosen/Verteilungen bemerken, nicht weiter testen und umgehend eine Elektrofachkraft bzw. den Elektro-Notdienst kontaktieren.

  1. Vergleich im Umfeld: Haben Nachbarn ebenfalls keinen Strom? Dann liegt die Ursache oft im Netz. In diesem Fall hilft meist der Netzbetreiber (Störungsnummer).
  2. Unterverteilung prüfen: Sind Leitungsschutzschalter oder der FI/RCD ausgelöst? Schalter vollständig aus- und wieder einschalten (nicht „halb“).
  3. Stromkreis eingrenzen: Wenn der FI sofort wieder fällt, alle Geräte dieses Bereichs ausstecken und dann erneut einschalten. Kommt der Fehler zurück, steckt häufig ein Gerät oder eine feuchte/defekte Zuleitung dahinter.
  4. Einzelne Geräte testen: Funktioniert z. B. nur der Router nicht, aber Steckdosen haben Spannung? Dann ist häufig das Netzteil oder das Gerät selbst betroffen – nicht die Hausinstallation.
  5. Mehrere Symptome gleichzeitig: Flackern, ungewöhnliche Geräusche, mehrere defekte Geräte oder wiederkehrende Ausfälle deuten eher auf Überspannungs- oder Anschlussprobleme hin. Hier ist eine professionelle Fehlersuche in der Unterverteilung sinnvoll.

Wichtig: Am Hausanschlusskasten und an Vorsicherungen sollten Sie nicht selbst arbeiten. Das ist nicht nur gefährlich, sondern in der Regel auch nicht zulässig.

Häufige Defektbilder nach Spannungsstörungen

Je nachdem, wie die Störung „ankommt“, zeigen sich unterschiedliche Schäden. Die folgenden Muster helfen bei der Einordnung:

  • Nur ein Raum/eine Gerätegruppe ohne Strom: Oft hat ein einzelner Leitungsschutzschalter ausgelöst oder ein Gerät verursacht einen Kurzschluss.
  • Der FI/RCD lässt sich nicht halten: Häufig ein Isolationsfehler, Feuchtigkeit (z. B. Außensteckdose, Gartenpumpe) oder ein defektes Gerät mit Ableitstrom.
  • Strom ist da, aber Geräte bleiben tot: Netzteile und Elektronik sind besonders empfindlich. Router, TV, Smart-Home-Zentralen oder Ladegeräte sterben manchmal „leise“.
  • Mehrere Geräte defekt, Sicherungen aber drin: Typisch für Überspannung, wenn Schutzmaßnahmen fehlen oder Ableiter bereits verbraucht waren.
  • Wiederkehrende Aussetzer, Flackern, ungewöhnliche Spannungsprobleme: Kann auf lockere Kontakte, beschädigte Klemmstellen oder Netzprobleme hindeuten. Eine Messung durch einen Elektrofachbetrieb schafft Klarheit.

Wenn Sie häufiger Gewitterfolgen erleben, lohnt sich eine Beratung zu Überspannungsschutz in der Elektroinstallation (mehrstufiges Konzept) – das ist deutlich wirksamer als nur eine Steckdosenleiste.

Experten-Q&A

Warum ist nur ein Teil der Wohnung ohne Strom?

Das spricht meist für einen einzelnen Stromkreis, der über einen Leitungsschutzschalter abgesichert ist. Entweder hat er korrekt ausgelöst (kurzer Kurzschluss/Überlast) oder ein angeschlossenes Gerät ist defekt. Prüfen Sie den Sicherungskasten und stecken Sie testweise alle Geräte dieses Bereichs aus.

Der FI/RCD fliegt sofort wieder – was bedeutet das?

Ein FI/RCD reagiert auf Fehlerströme, die z. B. durch beschädigte Isolation oder Feuchtigkeit entstehen können. Häufige Quellen nach Unwettern sind Außenleitungen, feuchte Steckdosen, Garten-/Kellergeräte oder defekte Netzteile. Wenn der FI nicht hält, ist das ein Sicherheitszeichen: Fehler eingrenzen lassen und nicht „überbrücken“.

Können Geräte kaputtgehen, obwohl keine Sicherung ausgelöst hat?

Ja. Überspannungen sind oft sehr kurz und lösen nicht zwingend Leitungsschutzschalter aus. Empfindliche Elektronik kann trotzdem Schaden nehmen. Darum sind abgestufte Schutzmaßnahmen (z. B. Überspannungsableiter im Verteiler plus Geräteschutz) so wichtig.

Ist eine Steckdosenleiste mit Schutz ausreichend?

Sie kann ergänzend helfen, ersetzt aber keinen fest installierten Überspannungsschutz. Viele Leisten sind nach einer stärkeren Überspannung „aufgebraucht“, ohne dass es auffällt. Eine Elektrofachkraft kann prüfen, ob ein Schutzkonzept in der Verteilung vorhanden ist und ob Ableiter noch funktionsfähig sind.

Wann sollte ich sofort einen Elektriker rufen?

Bei Brandgeruch, Schmorspuren, Wärmeentwicklung, wiederkehrendem Auslösen des FI/RCD, mehreren ausgefallenen Stromkreisen oder wenn Sie unsichere Spannungszustände vermuten (Flackern, „komisches“ Verhalten von Geräten). Ein Elektriker in Ihrer Nähe kann Messungen durchführen und Risiken an der Unterverteilung oder Zuleitung fachgerecht bewerten.

Fallnotizen

  • Problem: FI löst nach Gewitter immer wieder aus. → Lösung: Außensteckdose und angeschlossene Gartenpumpe als Fehlerquelle identifiziert, Leitung geprüft und Steckdose abgedichtet/ersetzt. → Ergebnis: FI hält stabil, Außenkreis wieder sicher nutzbar.
  • Problem: Internet tot, aber alle Sicherungen drin. → Lösung: Netzteil des Routers durch Überspannung beschädigt; neues Netzteil, zusätzlich Geräteschutz installiert. → Ergebnis: Verbindung wiederhergestellt, Folgeschäden minimiert.
  • Problem: Mehrere Räume flackern, einzelne Geräte schalten sporadisch ab. → Lösung: Messung zeigte auffällige Spannungsabfälle; Klemmstelle in der Unterverteilung nachgezogen/erneuert, Kontakte geprüft. → Ergebnis: Ruhiges Netz, keine Aussetzer mehr.
  • Problem: Überspannungsableiter im Verteiler zeigt Störung an. → Lösung: Ableitermodul getauscht, Schutzkonzept überprüft (Koordination der Schutzstufen). → Ergebnis: Wieder wirksamer Überspannungsschutz, geringeres Risiko für Elektronik.

Faustregeln

  • Nach einem Unwetter zuerst prüfen, ob die Störung lokal ist (Nachbarn/Haustafel) oder vom Netzbetreiber kommt.
  • FI/RCD, der nicht hält, ist ein Sicherheitsalarm: Ursache eingrenzen lassen statt „weiterprobieren“.
  • Wenn nur ein Gerät ausfällt, denken Sie an Netzteile und Überspannungsschäden – nicht sofort an die gesamte Installation.
  • Außenbereiche (Terrasse, Keller, Garten) sind nach Starkregen häufige Fehlerquellen: Feuchtigkeit ausschließen.
  • Schmorspuren, Brandgeruch, Wärme oder knisternde Geräusche bedeuten: Anlage abschalten, Fachbetrieb/Notdienst rufen.
  • Überspannungsschutz ist am wirksamsten als Gesamtkonzept (Verteiler + Endgeräte), nicht nur als Einzelmaßnahme.
  • Lassen Sie nach wiederholten Störungen eine fachliche Prüfung der Unterverteilung und Schutzorgane durchführen (z. B. E-Check/Isolationsmessung).

Kurzfazit

Stromprobleme nach Unwettern reichen von harmlos ausgelösten Schutzschaltern bis zu ernsthaften Überspannungs- oder Anschlussfehlern. Wenn Sie sicher eingrenzen, ob es ein einzelner Stromkreis, ein defektes Gerät oder ein tieferliegendes Problem in der Verteilung ist, sparen Sie Zeit und vermeiden Risiken. Bei wiederkehrenden Ausfällen oder klaren Warnzeichen lohnt sich die schnelle Diagnose durch einen Elektrofachbetrieb – und langfristig ein sauber geplantes Überspannungsschutz-Konzept.

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Kommentare

Kilian R.

Guter Hinweis, dass eine Steckdosenleiste nach einer Überspannung „verbraucht“ sein kann, ohne dass man’s merkt. Woran erkennt ihr das in der Praxis – tauscht ihr die Leiste nach jedem stärkeren Gewitter sicherheitshalber oder nur, wenn ein Ableiter/Störanzeige was zeigt?

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